Sommersonnenwende im Juni - Höhepunkt im Bienenvolk

Mit der Sommersonnenwende haben die Bienenvölker den Höhepunkt ihres Bienenjahres bereits überschritten.
Die Honigernte 2026 ist vielerorts abgeschlossen oder das Abschleudern läuft noch. Nach allem, was ich bisher gehört habe, fiel die Ernte insgesamt sehr gut aus. Somit beginnt jetzt die Phase der Sommerpflege. sh auch hier: Bienenjahr-Kurzanleitung
Sommerliche Hitze und Trockenheit
Das heiße und trockene Wetter setzt Bienen und Imkern derzeit stark zu. Die Drohnen werden bereits aus den Völkern verdrängt, Drohnenrahmen werden nicht mehr bestiftet und auch der Bautrieb lässt deutlich nach. Durch die anhaltende Trockenheit finden die Bienen immer weniger Trachtpflanzen, sodass kaum noch Nektar eingetragen wird. Nach dem Abschleudern sollte deshalb mit einer moderaten ersten Futtergabe begonnen werden, um eine Unterversorgung der Völker zu vermeiden.Ebenso wichtig ist eine zuverlässige Wasserquelle. Wasser wird für die Brutpflege und zur Kühlung des Bienenstocks benötigt. Da natürliche Wasserstellen vielerorts zum Teil ausgetrocknet sind, helfen flache Tränken mit Landehilfen wie Steinen oder Korkstücken den Bienen besonders an heißen Tagen.
Honigernte ist beendet
Das Abschleudern sollte inzwischen abgeschlossen sein bzw. zeitnah beendet werden. Anschließend werden die Honigräume mit den leer geschleuderten Honigwaben nochmals auf die Völker aufgesetzt, damit die Bienen die verbliebenen Honigreste ausschlecken können. Danach sind die Honigräume abzunehmen, zu reinigen und trocken einzulagern. Gleichzeitig sollten die Absperrgitter entfernt und nicht mehr benötigte Drohnenrahmen entnommen werden.Diese Maßnahmen schaffen die Grundlage für die anschließende erste Futtergabe sowie die Varroabehandlung der Bienenvölker. Mit einer nennenswerten Waldtracht ist am Bodensee in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. Zwar wurde vereinzelt Melizitosehonig (Zementhonig) eingetragen, ein flächendeckender Waldhonigertrag blieb jedoch aus. Daher sollte nach dem Abschleudern zeitnah mit der ersten Futtergabe der Bienenvölker begonnen werden.
Futterversorgung der Bienenvölker regelmäßig kontrollieren
Die Futtervorräte der Bienenvölker sollten regelmäßig kontrolliert werden. Vor der ersten Varroabehandlung empfiehlt sich eine moderate Futtergabe von 3 bis 5 kg. Zu große Futtermengen können den Brutraum verhonigen und die Legetätigkeit der Königin einschränken. Dies wirkt sich nachteilig auf die Volksentwicklung und die Aufzucht gesunder Winterbienen aus.
Mit dem Ende der Tracht steigt außerdem die Gefahr der Räuberei. Deshalb ist ein sauberes und zügiges Arbeiten am Bienenstand wichtig. Eingriffe an den Völkern sollten möglichst früh am Morgen oder am späten Abend bei geringem Flugbetrieb erfolgen. Offene Futterquellen und verschüttetes Futter sollten vermieden werden. Fluglöcher schwächerer Völker bei Bedarf einengen.
Varroabehandlung – Vorsicht bei hohen Temperaturen
Erst nach der Honigernte kann und darf eine wirksame Varroabehandlung durchgeführt werden. Während heißer Sommerperioden ist dabei besondere Vorsicht geboten. Insbesondere bei der Behandlung mit 60 %iger Ameisensäure (AS 60 %) sind die Herstellervorgaben des jeweiligen Behandlungssystems sowie die Anwendungshinweise des eingesetzten Varroamittels unbedingt zu beachten.
Je nach Verfahren – beispielsweise Nassenheider Verdunster, Liebig-Dispenser oder Schwammtuch – gelten unterschiedliche Temperaturbereiche und Anwendungsvorgaben für eine sichere und wirksame Behandlung.
Bei hohen Außentemperaturen verdunstet die Ameisensäure deutlich schneller. Dadurch kann die Wirkstoffkonzentration in der Stockluft stark ansteigen und zu erheblichen Schäden an Bienen und Brut führen. Zudem muss bei einigen Verdunstungssystemen der Bodenschieber eingeschoben werden, um die erforderliche Wirkstoffkonzentration im Bienenvolk zu erreichen. Bei großer Hitze kann dies die Belastung der Bienen zusätzlich erhöhen und im Extremfall zu Schäden führen. Eine Behandlung mit AS 60 % während sommerlicher Hitze ist daher kritisch zu bewerten und sollte nur innerhalb der vom Hersteller empfohlenen Temperaturbereiche erfolgen.
Auch bei anderen zugelassenen Varroabehandlungsmitteln, beispielsweise oxalsäurehaltigen Präparaten, sind die jeweiligen Anwendungshinweise und Temperaturvorgaben sorgfältig einzuhalten. Grundsätzlich sollte die Witterung bei der Planung der Varroabehandlung stets berücksichtigt werden.
zum Varroakonzept_Baden-Wuerttemberg.pdf

Eine wertvolle Entscheidungshilfe bietet die Internetseite „Varroawetter“. Dort werden auf Grundlage der aktuellen Wetterdaten geeignete Behandlungszeiträume und die Eignung verschiedener Varroabehandlungsmethoden angezeigt.
Wer sich an diese Empfehlungen hält, kann die Wirksamkeit der Behandlung verbessern und gleichzeitig das Risiko für die Bienenvölker deutlich reduzieren.
Ableger und deren Pflege
Ableger sind eine wichtige Reserve, um Völkerverluste auszugleichen oder den Bienenbestand zu erweitern. Sie eignen sich außerdem hervorragend, um junge Königinnen vorübergehend zwischenzuparken. In der brutfreien Phase , können sie mit einer Sprühbehandlung effektiv gegen Varroa behandelt werden. Regelmäßiges Füttern und eng gehaltene Fluglöcher zum Schutz vor Räuberei sind entscheidend für eine erfolgreiche Entwicklung der Ableger.
Völker beurteilen und Umweiselung planen
Die Bienenvölker sollten regelmäßig hinsichtlich ihrer Entwicklung und Leistungsfähigkeit beurteilt werden. Dabei ist insbesondere die Qualität der Königin zu überprüfen. Völker mit einer nachlassenden Legeleistung, einem unruhigen Verhalten, erhöhter Schwarmneigung oder anderen unerwünschten Eigenschaften sollten für eine Umweiselung vorgemerkt werden.
Eine regelmäßige Erneuerung der Genetik durch den Einsatz hochwertiger Zuchtköniginnen ist sinnvoll. Sie trägt dazu bei, gewünschte Eigenschaften wie Sanftmut, Vitalität, Honigleistung, geringe Schwarmneigung und ein gutes Hygieneverhalten (Varroatoleranz) langfristig im Bestand zu erhalten oder zu verbessern.
Ein wichtiges Hilfsmittel hierfür ist die Stockkarte. Sie dient der lückenlosen Dokumentation aller Beobachtungen und Maßnahmen am Bienenvolk. Durch regelmäßige Eintragungen – beispielsweise zur Volksentwicklung, Brutstärke, Honigleistung, Sanftmut, Varroabelastung oder zum Zustand der Königin – lassen sich Veränderungen frühzeitig erkennen und fundierte Entscheidungen, etwa über eine Umweiselung, treffen. Eine sorgfältig geführte Stockkarte bildet somit die Grundlage für eine gezielte und erfolgreiche Völkerführung.
Eigenschaften (Kriterien für ein Volk)
- Brutumfang (Legeleistung der Königin)
- Verhalten des Volkes (sanftmütig oder Stechervolk)
- Wabenstetigkeit (Bewegungsverhalten der Bienen auf der Wabe)
- Schwamverhalten (steuerbar oder nicht)
- Vitalität (widerstandsfähiger gegen Krankheiten)
- Varroatoleranz (Putztrieb / Ausräumverhalten)
- Honigertrag (Sammeleigenschaft)
- Wirrbau (Neigung zum Verkitten und zum Verbau)
- jeder Imker hat sicherlich noch andere Kriterien
- Ich selbst nutze ein Punktesystem von 6-1 (Schulnoten 1-6 auch möglich)
Quelle der Texte IV-R`zell